Angst vor der Behandlung

 

 

Ein Thema, das in den Lehrbüchern wenig Beachtung findet und trotzdem einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlung hat, ist die Angst vor der Behandlung.

Zunächst möchten ich betonen, dass Angst etwas ganz Natürliches ist. Auch ich habe Ängste und muss mich trotzdem nicht dafür schämen.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Angst und Furcht. Ich möchte in dieser kurzen Internetseite nicht auf diese im Einzelfall nützlichen Unterscheidung eingehen. Da Frau Dr. Bertram ihre Doktorarbeit über dieses Thema geschrieben hat, besteht leicht die Gefahr, dass die folgenden Informationen zu wissenschaftlich werden.

Prinzipiell ist Angst eine nützliche Eigenschaft des Körpers. Auf mögliche Gefahren wird mit der Umstellung des Verhaltens reagiert. Es war schon in den frühen Zeiten der Urmenschen nützlich, wenn der Körper seine Organe auf volle Kraftausschöpfung umstellte und Energiereserven freistellte, wenn ein Raubtier vor einem stand. Für den nächsten Zeitraum mussten eben die Verdauungsorgane zurückstecken. Gefährlich war dieses Verhalten erst, wenn die Angst zur Starre führte und die Flucht oder der Gegenangriff unterlassen wurde.

Aus dem Raubtier in den Urzeiten ist für viele der Zahnarzt von heute geworden. Andere sehen es vielleicht wie einen Sprung übers Feuer, der notwendig ist, um in Sicherheit zu kommen. Niemand braucht sich wegen seiner Angst vor dem Zahnarzt zu schämen. Nach Auffassung der Psychologen soll jeder 7te Deutsche an einer extremen Angst vor dem Zahnarzt leiden. Gefährlich werden die Folgen der Angst dann, wenn durch eine Aufschieben der notwendigen Behandlung die Erkrankung sich verschlimmert oder sogar Schmerzmittel bzw. Alkohol zur Unterdrückung des Schmerzen eingenommen werden müssen. Wie auch immer:

Es ist die Aufgabe von Behandler und Patient, die Angst so zu beeinflussen, daß die notwendige Behandlung durchgeführt werden kann. Dies ist manchmal ein aufwendiger Prozess, der von beiden viel Geduld erfordert - nicht nur vom Behandler!

Was kann man gegen die Angst tun?

Sollten diese Verfahren keine Besserung der Angst bringen, so sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Bei sofort notwendigen Behandlungen, haben wir in der "Schulmedizin" verschiedene Möglichkeiten. Es gibt in Abhängigkeit von der Stärke der Angst und der Größe des Eingriffs verschieden starke Beruhigungsmöglichkeiten. Es fängt an bei pflanzlichen Beruhigungstropfen und endet bei der Vollnarkose.

 

 

Zur Senkung des Schmerzempfindens stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung

An den Ursachen der Schmerzentstehung bzw. Senkung der Schmerzschwelle wird ständig geforscht. Ein Ansatzpunkt zur Senkung der Schmerzen ist sicherlich der Laser, der Gewebe schonend und gezielt abtragen kann. Auch durch die Verkleinerung der Operationswunde wie über das Operationsmikroskop oder das Endoskop kann man den Schmerz reduzieren. Schließlich wurde in letzter Zeit viel über den chemischen "Bohrer": Carisolv® geschrieben, der die erkrankte Zahnsubstanz aufweicht anstatt sie wegzubohren. Auch wenn es meiner Meinung nach bei diesem in der Presse häufig gelobten Fortschritt nur um die geringfügige Veränderung eines alten Verfahrens handelt, so sollte man die Entwicklung doch genau beobachten, da nicht auszuschließen ist, dass diese Methode durch weitere Entwicklungen doch zum Durchbruch kommt.

Die Möglichkeiten der Schmerzeinschränkung werden ständig verbessert. Das was heute hier zu lesen ist, kann in einigen Jahren schon überholt sein. Wir hoffen natürlich, mit unseren Artikeln ständig aktuell zu bleiben..

 

Bei nicht sofort notwendigen Behandlungen und extremer Angst eventuell gepaart mit anderen Ängsten, sollte man auch über eine Psychotherapie nachdenken. Ich weiß, daß so gut wie alle Patienten auf diesen Vorschlag mit Abwehr reagieren. Das mag mit dem alten Vorurteil zusammenhängen, daß der Psyschotherapeut etwas mit Klapsmühle zu tun hat. Aus der Angst vor der Angst kann aber manchmal ein Teufelskreis entstehen. Dieser Zustand sollte dann bei aufschiebbaren Behandlungen nicht von einem Zahnarzt oder Kieferchirurgen kurzfristig mit Medikamenten unterdrückt werden, sondern in diesen Extremfällen vom Spezialisten gründlich aufgeklärt und behandelt werden. Keine Angst: kein Zahnarzt wird einen Patienten gegen seinen Willen zum Psychologen schicken. Außerdem wird jeder Psychotherapeut die Behandlung sofort ablehnen, wenn nur ein anderer Arzt aber nicht der Patient sie selbst wünscht. Wir sollten aber immer im Auge behalten, dass ein Mensch nicht nur aus Zähnen besteht.

 

Literatur:

Angst vor dem Zahnarzt - und wie man sie überwinden kann

Renate Soldan

Verlag Vandenhoeck & Ruprecht

Reihe Transparent Nr: 54

19,80 DM

ISBN 3-525-01732-4

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-Mund-Kieferheilkunde zur Behandlung von Kindern in Narkose